20.10.2004
© by Rupert Vogl
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Kenko Teleplus Pro 300 1,4x Telekonverter
Technische Daten:

Relative Vergrößerung:
-
1,4x
Optischer Aufbau:
-
5 Linsen in 4 Gruppen
Reflexionsminderung:
-
Mehrschichtvergütung (MC)
Belichtungsverlängerung zum Ausgleich des Lichtverlustes:
-
Ca. doppelte Verschlußzeit oder 1 Blendenstufe öffnen
Schärfentiefe:
-
70 % derjenigen ohne Pro 300
Fassungslänge:
-
19,4 mm
Max. Fassungsdurchmesser:
-
67,4 mm
Gewicht:
-
132 g
Auspacken und erster Eindruck
Der Konverter wird in einem kleinen Schächtelchen geliefert. Darin befinden sich eine ausführliche deutsche Bedienungsanleitung und ein schwarzes Ledersäckchen, welches den Konverter beinhaltet. Die Linsen sind vorne und hinten durch je einen Kunststoffdeckel geschützt. Der Pro 300 1,4x ist überwiegend aus Kunststoff gefertigt, die Bajonette sind jedoch aus Metall. Die Fertigungsqualität würde ich mit gut bis sehr gut bewerten. Anfassqualität und Montage an Kamera, bzw. Objektiv an Konverter runden das positive Gesamtbild ab. Die hochwertige Mehrschichtvergütung verleiht den Linsen beim schrägen draufschauen eine leichte Tönung.

Vor- und Nachteile
Auf jeden Fall preisgünstiger als die Neuanschaffung eines neuen Objektives mit längerer Brennweite ist der Kauf eines Telekonverters allemal. Eine Gewichtsersparung ist so ein Konverter im ewig schweren und immer vollen Fotorucksack auch. Dem gegenüber steht die Tatsache, daß sich ein weiteres Linsensystem nicht unbedingt positiv auf ein perfekt berechnetes und konstruiertes Objektiv auswirkt. Hauptsächlich haben Telekonverter mit Schärfeverlusten zu kämpfen, die viele Fotografen davon abhalten, solche Konverter überhaupt zu benutzen. Hinzu kommt, daß das Objektiv an Lichtstärke verliert (siehe techn. Daten). In der Praxis heisst das, daß sich die Anfangsblende von beispielsweise f/4 auf f/5.6 verkleinert. Bei 2x Konverter von f/4 auf f/8! Bis f/5.6 funktioniert der Autofokus noch. Darüber muß auf automatisches Scharfstellen verzichtet werden. Folgende Beispielbilder zeigen die Auswirkungen des Kenko 1,4x bei verschiedenen Situationen und Motiven.
Zuerst möchte ich allerdings noch zeigen, wie sich die 1,4fache Vergrößerung in der Praxis auswirkt - fotografiert mit Canon EF 70-200 mm f/4 L. Alle Testfotos auf dieser Seite wurden mit diesem Objektiv aufgenommen, da gerade der Zoombereich von 70-200 mm bei vielen Fotografen sehr beliebt ist.
Sehr deutlich erkennt man schon die geringere Schärfentiefe bei 280mm.
(links)
Bildqualität bei einer Distanzaufnahme.
Beide Fotos mit Offenblende. Das Foto mit Konverter ist schärfer als erwartet.
(oberes Foto anklicken zum Vergrößern)
Der Vergleich oben zeigt die Bildqualität bei einem detailreichen Motiv und kurzem Abstand (ca. 3 Meter).
Ein leichter Schärfeverlust ist bei Offenblende sichtbar. Abblenden auf f/8 macht den Schärfeverlust wieder wett.
Die Fotos sind 100% crops.
Verzeichnungen
Die nachfolgenden Testaufnahmen sollen zeigen, ob sich der Konverter negativ auf die Geometrie auswirkt. Die roten Linien wurden nachträglich per EBV als Referenz eingefügt. Der Kenko wirkt sich auf die Geometrie des Canon 70-200 f/4 L nicht negativ aus.
Und das Bokeh?
Auch hier konnte ich bei diversen Testfotos keine negativen Auswirkungen feststellen. Die um 30% verringerte Tiefenschärfe wirkt sich sogar positiv auf Fotos aus, bei denen eine starke Weichzeichnung des Hintergrundes erwünscht ist.
Chromatische Aberrationen und Neutralität
Bei meinen ganzen Testfotos konnte ich keine Farb- und Kontrastveränderungen durch den Telekonverter feststellen. Die Charakteristik des Objektivs bleibt erhalten.
Verstärkte Chromaabweichungen konnten ebenfalls keine festgestellt werden. Das 70-200 f/4 L ist chromatisch korrigiert. Es zeigt allerhöchsten in den Ecken sehr sehr leichte Farbsäume bei extrem harten Kontrasten. Der Kenko Pro 300 verstärkt chromatische Aberrationen nicht und verursacht auch keine.

Mein Fazit
Für einen Straßenpreis von ca. € 180,- bis € 200,- ist der Kenko Teleplus Pro 300 eine echte und noch dazu preisgünstige Alternative. Er zeigt durchweg eine sehr gute Bildqualität und die leicht sichtbaren Einbußen in Punkto Schärfe können bei hochwertigen Objektiven vernachlässigt, bzw. durch abblenden verhindert werden. Für Objektive im unteren Preissegment ist so ein Konverter wohl kaum interessant, da diese zu wenig lichtstark sind und bei voller Brennweite ohnehin schon etwas abgeblendet werden müssen, um die nachlassende Schärfe zu kompensieren. Meine Empfehlung wäre, den Konverter an folgenden Objektiven einzusetzen: 70-200 f/2.8 (f/4), 100-300 f/4, Festbrennweiten von 100 bis 600 mm bis Blende f/4 oder größere Blendeöffnung.

Pro:
+ Verarbeitung/Qualität - sehr hochwertige Linsen
+ neutrale Bildqualität
+ auch an "nicht-L-Objektiven" verwendbar
+ Preis

Contra:

- sehr leichte Einbußen bei Bildschärfe, durch abblenden aber zu kompensieren
- Lichtverlust


Noch ein paar Worte zu den Tests:
Kamera: Canon EOS 300D
Objektiv: Canon EF 70-200mm f/4 L
Von jedem Motiv wurden mehrere Fotos mit Stativ aufgenommen und jeweils das Schärfste verwendet. Im Kamera-Setup wurde "Parameter 1" gewählt und JPEG mit geringster Komprimierung. Die Fotos wurden per EBV nicht nachgeschärft oder verfremdet. Nur 100 % Ausschnitt oder verkleinert.